Josef-Decker-Ehrenmedaille 2026
Verleihung der Josef-Decker-Ehrenmedaille an Heinz-Adam Schiffer am 25. Januar 2026
Alljährlich kommen die Mitglieder des Landespielleuteorchesters (LSO) des VMB.nrw am Anfang eines Jahres in die Kolping Bildungsstätte in Coesfeld zu einem intensiven Probenwochenende zusammen, um auch die Mitgliederversammlung abzuhalten.
Am Sonntagmorgen fand unter der Leitung von Lisa Heuer die Gesamtprobe in der benachbarten Aula des Pius Gymnasiums statt. So wie seit vielen, vielen Jahren ist Heinz-Adam Schiffer im LSO noch immer aktiv und er saß still und bescheiden, so wie man ihn seit jeher kennt, im Sopranflötenregister. Am Vorabend wurde er während der Mitgliederversammlung für seine 25-jährige Mitgliedschaft im LSO geehrt.
Als die Mittagspause nahte, staunte er wohl nicht schlecht als seine Familienmitglieder die Aula betraten. Ahnte er vielleicht schon etwas, was mit ihm geschehen sollte? Lisa Heuer beendete die morgendliche Probe und der Präsident des VMB.nrw Ludger Hayk kam nach vorne und dankte dem LSO für die Möglichkeit, die Verleihung der Josef-Decker-Ehrenmedaille an Heinz-Adam Schiffer im angenehmen Rahmen durchzuführen.
Er erläuterte die Bedeutung der Josef-Decker-Ehrenmedaille, der höchsten Auszeichnung des VMB.nrw. Sie wird nur einmal jährlich vergeben für herausragende Verdienste und besonderes Engagement im Bereich der Amateurmusik in NRW, vor allen bei der Spielleutemusik. Aber auch besondere Anerkennung für das Wirken von Heinz-Adam Schiffer im Sozialwesen, so Ludger Hayk bei der Begrüßung.
Heinz-Adam wurde nun nach vorne gerufen. Hayk gab das Wort an Bernhard Viegener, der die Laudatio hielt. Bernhard Viegener begann mit seiner Ansprache:
Es gibt Menschen die durch ihr bloßes handeln große Spuren hinterlassen. Heute sind wir hier zusammen gekommen, große Spuren zu erläutern und um einen Mann zu ehren, der über Jahrzehnte bewiesen hat, dass Beständigkeit, Fachkenntnisse und menschliche Integrität das Fundament für außergewöhnliche Leistungen sind. Es ist Heinz-Adam Schiffer.
Dann wandte er sich persönlich an ihn:
Lieber Heinz-Adam, wenn wir heute auf dein Wirken zurückblicken, dann sehen wir eine Liste von beruflichen und ehrenamtlichen Stationen als Vereidigter Sachverständiger, als Kreisfachleiter, als Ausbilder, als Orchesterleiter, als Karnevals Löwe, als Politiker, als Mitglied im LSO, als Busfahrer und und und … Es würde den heutigen Rahmen sprengen wenn ich die Liste weiter führen, bzw. ausführlich darüber berichten würde. Anhand von ein paar Beispielen möchte ich über deine zurückliegenden Aktivitäten berichten.
In der Presse war zu lesen:
Heinz-Adam Schiffer ist der erste Elsdorfer, der mit dem Löwenpreis des Lions Club Bergheim ausgezeichnet wurde. Bei der Preisverleihung im Elsdorfer Rathaus freute sich Bürgermeister Andreas Heller, dass die Auszeichnung an einen Menschen gehe, den er seit vielen Jahren schätze. Der Löwenpreis ist mit 1.000 Euro dotiert. Und wie er die anlegte? Das wusste Heinz-Adam Schiffer schon. Denn der damalige Geschäftsführer des Tambourcorps „Einigkeit“ aus Berrendorf-Wüllenrath plante mit den Kindern und Jugendlichen des Tambourcorps in den Urlaub zu fahren. Aber es fehlten dafür die finanziellen Mittel.
Zitat Heinz-Adam: „Wir haben Kinder, die können die Fahrt aber nicht bezahlen. Wir hätten sie trotzdem mitgenommen. Aber mit den 1000 Euro ist es jetzt leichter zu finanzieren“, freute sich Heinz-Adam, der in seinem Heimatort als Mensch und mit seinem Tambourcorps eine Institution ist.
Seit 1964 ist er Mitglied des Tambourcorps. Als der Spielmannszug 1972 zu zerbrechen drohte, rettete er als 20-Jähriger den Verein. Die Kinder wurden für ihn das Wichtigste. Er sorgte für deren Komplettausbildung. Frühzeitig setzte er sich dafür ein, dass auch Mädchen mitmachen konnten, damals ein Novum. Instrumente und Noten hat er weitgehend aus eigenen Mitteln finanziert.
Er selbst hatte das Instrumentenspiel noch nach Zahlen gelernt. Heinz-Adam, ich erinnere mich noch genau an diese Zeit, denn wir haben sehr oft über den Fortschritt bei den Flötisten gesprochen: Vom Zufallsgenerator zum Spielen nach Griffzahlen, und dann nach Noten. Von den „Knüppeljungs“ mit dicken und sehr schweren Stöcken, extra schwer mit Messingbeschlag zum gut ausgebildeten Schlagwerker.
Wie in jedem Verein gab es auch in deinem Verein Höhen und Tiefen. Es gab ein Problem: Wie kommen die Kinder zur Probe und Auftritten und wieder zurück. Heinz-Adam: Probleme sind da um sie zu lösen. Es ist ganz einfach ich mache den Busführerschein. Danach wurden alle Kinder von ihm kostenlos chauffiert.
In der Presse war zu lesen, ich zitiere: In seiner sympathisch-offenen Art gehe Heinz-Adam Schiffer auf die Jugendlichen zu und begeistere sie dafür, sich in ihrem heimatlichen Umfeld zu engagieren, mitzumachen und gemeinschaftliche Vorhaben in die Hand zu nehmen. Er kämpft dafür, junge Menschen ins Vereinsleben zu integrieren und ihnen dort Heimat und Zuwendung zu geben.
Der Busführerschein sollte dann auch dem LSK zugute kommen, denn in Heinz-Adam hatten wir einen hervorragenden und humorvollen Busfahrer und Reiseleiter. Bernhard Viegener erinnerte an die Polenreise des LSK.
Auf den Landesmusikbeiratssitzungen hast mit du deinem Fachwissen immer wichtige Vorschläge eingebracht und dadurch die Entwicklung der Spielleutemusik sehr positiv beeinflusst. Nicht nur einmal hast du mir gesagt: „Ich muss heute Abend kurz zu meinem Verein, wir haben einen Auftritt. Bin morgen aber pünktlich wieder anwesend.“ 200 km hin, 200 km zurück und ca. 4 Stunden Fahrt – „Geht nicht, kann ich nicht“ gibt es für Heinz-Adam nicht. Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg.
Sein Name stehe für Verlässlichkeit führte Bernhard Viegener weiter aus. Wenn er eine Aufgabe übernimmt, dann wird sie nicht nur erledigt, sondern sie wird mit Präzision und viel Herzblut vollendet. Sein Name stehe für Gemeinsinn. Sein Engagement ging über das rein fachliche weit hinaus.
Bernhard Viegener weiter: Du hast Menschen zusammengebracht, Brücken gebaut und den Zusammenhalt gestärkt, sei es im beruflichen Umfeld oder in deinem musikalischen Netzwerk. Dein Name steht für Bescheidenheit, richtete Bernhard Viegener an ihn: Trotz deiner zahlreichen Erfolge bist du dir stets treu geblieben. Die lauten Töne sind nicht deine Art, du lässt die Ergebnisse deiner Arbeit für sich sprechen.
Wir sehen dein Lebenswerk, das von klarer Haltung geprägt ist. Wo andere zögern, um Lösungen zu finden, da hast du schon eine Lösung gefunden.
Zum Schluss sagte Bernhard Viegener zum sichtlich gerührten Heinz-Adam: Dich auszuzeichnen bedeutet heute, ein Vorbild zu würdigen. Wir danken dir für deine Zeit, deine Energie und vor allem dafür, dass du uns gezeigt hast, was man mit Leidenschaft und Ausdauer erreichen kann.
Nach der Laudatio überreichte ihm Annemie Lamsfuß, Vorstand Geschäftsführung des VMB.nrw, feierlich die Josef-Decker-Ehrenmedaille.
Gratulationen kamen nicht nur vom VMB.nrw und seiner Familie. Die Mitglieder des LSO spendeten ihm endlose stehende Ovationen.
Text und Bilder: Manfred van Os